Billy, der Tod und das rothaarige Mädchen (2009)

von Gabriele Flessenkemper (Stückgut Verlag München)

Inhalt

Billy liegt nach einem Motorradunfall auf der Intensivstation. Doch seine Freundin Maud kann nicht zulassen, dass er stirbt. Sie macht sich also auf, um den Tod zu bitten, doch mal eine Ausnahme zu machen und Billy noch eine Chance zu geben. Der Tod aber erfüllt ihre Bitte nicht ohne Gegenleistung…

Presse

Der Tod als Beau und Womanizer
Vaihinger Kreiszeitung am 3. 8. 2009

Laienspielgruppe „Exeunt“ bringt „Billy, der Tod und das rothaarige Mädchen“ auf die Freiluftbühne in Eberdingen

Aller guten Dinge sind bekanntermaßen drei: Mit dem Protagonisten-Trio „Billy, der Tod und das rothaarige Mädchen“ (das auch beim Titel des Stücks Pate stand) eröffnete am Freitag die Laienspielgruppe

EBERDINGEN (pen) Und da das malerische Eberdingen mit dem Wilden Westen wahrlich wenig gemein hat, wurde die Liebesgeschichte zwischen „Mr. Death and the readheaded woman“ (so das Original aus der Feder von Helen Eustis) nicht als Westernstory, sondern in einer adaptierten Version von Gabriele Flessenkemper inszeniert.
Das Ensemble Exeunt zeigt eine moderne, heiter-melancholische Geschichte mit philosophischen Untertönen; eine Sinnsuche und Liebeserklärung an das Leben gleichermaßen: „No risk, no fun“, so lautet das oberflächliche Motto von Rocker Billy (kernig dargestellt von Steffen Scheunpflug), stets auf der Suche nach weiblicher Gesellschaft und einem Adrenalinkick. Folglich landet er, nicht zum ersten Mal, nach einem Unfall auf der Intenivstation. Seine aktuelle Flamme Maud (zart-zerbrechlich: Ina Wernstedt) bangt unterdessen um Billys Leben und beschließt in ihrer Verzweiflung, beim Tod persönlich ein Wort für die vermeintliche „Liebe ihres Lebens“ einzulegen.
Die Begegnung mit dem schwarz gewandeten Beau (Konkurrenz für Brad Pitt alias Joe Black nahte hier in der Gestalt von Patrick Weiß) lässt Maud jedoch die Sinne schwinden und dem Tod direkt in die Arme sinken.
Mehr Womanizer als furchteinflößender Sensenmann trägt dieser auf geradezu groteske Weise menschliche Züge: Er wohnt noch daheim bei Großmuttern (köstlich verkörpert von Sina Holzmann), schnarcht und spricht im Schlaf. Nicht ganz uneigennützig hilft die skurrile, kuppelfreudige alte Dame Maud, einen Deal mit dem Tod einzufädeln: Der will Billy verschonen, wenn das Mädchen ihn auf eine Reise begleitet und ihm zum Schluss einen Kuss schenkt.
Diese Reise offenbart Maud existentielle Erfahrungen, gibt ihr Einblick in ihr tiefstes Inneres. So lernt sie, „dass die Menschen nicht für die Ewigkeit taugen, weil sie viel zu schnell vergessen“ und mit dem Leben oft umgehen „wie mit einer Probepackung“. Der Tod hingegen hat keinen Einfluss auf die Art und Weise, wie Menschen ihre Zeit nutzen, er „tut nur seinen Job“. Es liegt in der Verantwortung des Einzelnen, zu erkennen, wie kostbar das Lachen, die Liebe und das Leben sind, gerade weil sie nicht ewig dauern. Am Ende steht für Maud die bittere Erkenntnis, dass ausgerechnet ihr Billy damit wenig anzufangen weiß. Kaum aus dem Krankenhaus entlassen, sucht er, der scheinbar Unverwundbare, erneut die Herausforderung und tauscht Maud eiskalt ausgerechnet gegen die Krankenschwester (Jelena Vojkovic) aus, die den Todgeweihten auf der Intensivstation gepflegt hat. Ein Happy End der speziellen Art gibt es dennoch, als der Tod spürt, dass sein Herz – buchstäblich – für Maud schlägt und diese seine Gefährtin wird.
Mit ihrer jüngsten Produktion gelang der Theatergruppe eine nicht ganz ungefährliche Gratwanderung, indem sie ein ernstes Thema mit schrägem Humor paarte, ohne jedoch in Klamauk abzudriften. Mit aufwändiger Tontechnik, einem flotten Soundtrack und viel Kreativität stellten die Laienschauspieler unter Beweis: Gut erfundene Geschichten sind eben manchmal besser als die Wirklichkeit.
Wer sich selbst davon überzeugen möchte, hat dazu am kommenden Wochenende Gelegenheit: Am Freitag und Samstag (7. und 8. August) bringt Exeunt mit „Peer Gynt“ ein Theaterstück für die ganze Familie auf die Bühne.

Besetzung

MaudIna Wernstedt
Die KrankenschwesterJelena Vojkovic
Der TodPatrick Weiß
Die GroßmutterSina Weiß
BillySteffen Scheunpflug
Sterbendes MädchenPia Förster

Hinter den Kulissen

RegieIna Wernstedt
RegieassistenzWolfgang Stich
TontechnikChristoph Wertz
Jens Wernstedt
Albert Geiger
LichttechnikJens Wernstedt
Albert Geiger
PlakatgestaltungJens Wernstedt

Galerie

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